Museum Van Loon: Wohnen, Arbeiten und Erinnern an der Keizersgracht
Ein Grachtenhaus aus dem 17. Jahrhundert, ein Garten und ein Kutschenhaus erzählen von der Familie Van Loon und den Menschen um sie herum.

Hinter der Fassade an der Keizersgracht 672 liegt das Museumshaus. Es wurde 1672 nach einem Entwurf von Adriaen Dortsman fertiggestellt. Der Maler Ferdinand Bol war sein erster Bewohner. Seit 1973 können Besucher durch die Räume gehen. Das Fassadenfoto zu diesem Artikel ist eine ältere Aufnahme und zeigt das Haus möglicherweise nicht genau so, wie es heute aussieht. Im Inneren erwartet die Besucher ein Stadtpalais, in dem Wohnen, Arbeiten und Gästeempfang zusammengehörten. Das Museum erzählt nicht nur vom Interieur, sondern auch von den Menschen, die hier lebten.
Die Familie Van Loon erwarb das Haus 1884. Der Name des Museums verweist auf seine letzten Bewohner und Gründer. In den Zimmern hängen Familienporträts zwischen Möbeln, Silber und Porzellan aus verschiedenen Jahrhunderten. Diese Sammlung wurde nicht unabhängig vom Haus zusammengestellt: Viele Gegenstände trug die Familie selbst zusammen. So lassen sich im selben Raum ein Gemälde, ein Gebrauchsgegenstand und der Ort betrachten, für den er aufbewahrt wurde. Das Museum zeigt auch Kleidung des Personals und Küchengeräte; damit wird mehr sichtbar als das Leben in den Salons.

Ein Rundgang durch die Sammlung führt an Malerei des 17. Jahrhunderts und Gegenständen des 20. Jahrhunderts vorbei. Die Sammlungsseite nennt als Beispiele ein Gemälde von Jan Miense Molenaer zur Hochzeit von Willem van Loon und Margaretha Bas, silberne Kastanienvasen von 1821 und eine japanische Lacktruhe. Das erhaltene Familienarchiv mit Briefen, Fotos und genealogischen Unterlagen bietet Forschenden zudem Material, um die Geschichte hinter den Räumen weiter zu untersuchen.
Diese Geschichte hat auch eine koloniale Seite. Laut Museum hatte die Familie Interessen in Handel und Verwaltung, unter anderem an der VOC und der WIC. Die Sammlungsseite nennt Dirk Andreas Ralf und Hendrina Heirath, die im 19. Jahrhundert auf surinamischen Plantagen, an denen die Familie Van Loon beteiligt war, in die Sklaverei hineingeboren wurden. Ihr Hochzeitsfoto kam nach einer Ausstellung in die Sammlung. Ein Film aus dem Projekt Wie zegt dat? Samen geschiedenis een plek geven von 2023 läuft nach Angaben des Museums täglich.
Hinter dem Haus liegt ein Garten im Stil des 17. Jahrhunderts. An seinem Ende steht das ebenfalls von Dortsman entworfene Kutschenhaus mit einer eigenen Kutscheneinfahrt an der Kerkstraat. Dort ist unter anderem die Galakutsche von Jonkheer Louis van Loon zu sehen. Der Garten macht deutlich, wie groß das Grundstück hinter der eher geschlossenen Straßenfassade ist.
Laut eigener Besucherseite ist das Museum Van Loon sieben Tage in der Woche von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Ein Erwachsenenticket kostet 17,50 Euro; Studierende und Inhaber einer CJP-Karte zahlen 13,50 Euro, Kinder von sechs bis achtzehn Jahren 9,75 Euro. Kinder unter sechs Jahren und Inhaber der Museumkaart haben freien Eintritt. Im Museum ist nur Kartenzahlung möglich. Von der Straßenbahnhaltestelle Muntplein oder der Metrostation Vijzelgracht sind es laut Museum etwa fünf Minuten zu Fuß. Samstags um 11 Uhr gibt es eine Führung auf Niederländisch und sonntags um 11 Uhr eine auf Englisch, jeweils für 5 Euro zusätzlich zum Eintritt.
Die denkmalgeschützten Gebäude haben viele Treppen, Stufen und Schwellen. Für Rollstuhlfahrer und Menschen mit eingeschränkter Mobilität sind sie daher schlecht zugänglich. Für Besucher mit Sehbehinderung gibt es die besondere Führung Open Huis, für die eine Reservierung nötig ist. Wer auch eine Wechselausstellung sehen möchte, prüft kurz vor der Abfahrt das aktuelle Programm; für den 16. Oktober ist dort keine bestimmte Ausstellung mit bestätigter Laufzeit angegeben.